Das Münchner Oktoberfest ist als das größte Volksfest der Welt bekannt. Im vergangenen Jahr zog es 6,2 Millionen durstige Besucher auf die Theresienwiese, vor allem aus der BRD, den USA, Großbritannien, Österreich, der Schweiz und Frankreich. Aber wie kam es dazu? Heute beleuchten wir die Hintergründe zum Volksfest.

Die Ursprünge des Oktoberfests:

Es ist das Jahr 1810. Auch zu dieser Zeit ist die Welt ein aufregender Ort: Frankreich und Schweden beenden ihren Krieg, in London wird das erste Gaswerk in Betrieb genommen, Napoleons Ehe vor Gericht annulliert.

Eine glücklichere Zukunft wünschen sich König Ludwig I. und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Die Hochzeit steht bevor. Im Reich wächst die Vorfreude auf das Spektakel, Königshäuser wissen bekanntlich zu feiern. Der Legende zufolge hat ein bürgerlicher Unteroffizier in diesen Tagen eine Vision: Wie wäre es mit einem Pferderennen zu den Festlichkeiten? Und was dann passiert, könnte aus einem Märchen stammen: Der König verliebt sich in die Idee.

Wenige Tage nach der Trauung, am 17. Oktober 1810, ist das Oktoberfest geboren. Austragungsort des historischen Events ist eine Wiese am Stadtrand, die zu Ehren der Prinzessin zur Theresienwiese umbenannt wird. Nicht 10, nicht 20, sondern 40.000 Gäste kommen dort zusammen. Das wäre sogar für uns ein großer Auftrag. Übrigens: Der Unteroffizier mit der Vision vom Pferderennen gewinnt den Wettbewerb. Wie im Märchen, oder?

Wie es mit dem Oktoberfest weiterging:

Die kommenden Jahre führt der “Landwirtschaftliche Verein Bayern” die neue Tradition fort. Neben dem Pferderennen gibt es Kletterbäume, Kegelbahnen und Schaukeln, sowie eine Messe für bäuerliche Leistungen.

1819 ist Schluss mit der privatfinanzierten Sause: Die Stadt München übernimmt die Verantwortung und erweitert das Event um viele Buden und Karusselle. Schausteller und Gewinnspiele locken zusätzliche Gäste.

Dennoch – und das wird viele Leser erschrecken – dauert es 61 weitere Jahre, bis die Stadtverwaltung den Ausschank von Bier gestattet. Kurz darauf wird das erste Hendl verkauft, die ersten Bierhallen entstehen, elektronische Fahrgeschäfte werden aufgebaut. Apropos Elektrik: 1896 unterstützt der 17-jährige Albert Einstein den Aufbau des Schottenhamel-Festzeltes, indem er Glühbirnen einschraubt. Der Einfluss dieser Tätigkeit auf sein späteres Schaffen bleibt jedoch ein Mysterium.

Im 20. Jahrhundert überschatten die Weltkriege und die Inflationsangst das Fest, wiederholt muss es ausfallen. Nachdem die schwere Zeit überwunden ist, entwickelt sich 1950 eine neue Tradition: Mit den Worten “O’zapft is!” eröffnet Münchens Oberbürgermeister Thomas Wimmer das Oktoberfest im Schottenhammel-Zelt, wo er das erste Oktoberfestfass anzapft. Zum Anschlagen des Fasses braucht er 19 Schläge mit dem Hammer – ein Negativrekord.

Das Oktoberfest heute:

In den nachfolgenden Jahrzehnten entwickelt sich das Oktoberfest zu dem Mega-Event, wie wir es kennen. Um zu vermeiden, dass das Fest zu einem zweiten Ballermann wird, entwickeln die Veranstalter 2005 ein Konzept der “ruhigen Wiesn”: Die Musiklautstärke innerhalb der Zelte ist auf 85 Dezibel beschränkt, außerdem wird auf Schlager- und Popmusik verzichtet, zumindest bis 18 Uhr.

Zum 200-jährigen Jubiläum im Jahr 2010 entsteht eine neue Attraktion, die sogenannte “Oide Wiesn”. Traditionelle Fahrgeschäfte reihen sich an historisch-gestaltete Festzelte, in denen zu Blasmusik geschunkelt wird. Zudem wird Kindern und Familien ein abwechslungsreiches Kulturprogramm geboten.

Dieses Jahr werden knapp 8 Millionen Gäste auf der Theresienwiese erwartet. Der Start ist schon einmal gelungen: Der Oberbürgermeister Dieter Reiter schlug das erste Fass mit lediglich zwei Schlägen an. “O’zapft is!”, ein Glück.